Twitterkratie

Schon im ersten Satz des Artikels muss ich den Titel revidieren denn es ist ja nicht Twitter welches regiert sondern wer durch Twitter an Macht gelangt.

Andererseits ist es in modernen Demokratien auch nicht der Demos der regiert sondern diejenigen, die vom Demos dazu befähigt werden

Von Twitter befähigt wird nun ein bestimmter Typos Mensch, die sog. Demagogen. Demagogen sind dadurch gekennzeichnet dass sie die öffentliche Meinung dahingehend beeinflussen dass sie sich ihre manipulativen Fähigkeiten den Bürgern gegenüber zunutze machen können. dabei bedienen Sie sich oft am Instrument des Populismus.

Es ist nicht das Geld dass die Welt regiert sondern die Menschen die es besitzen

Die Währung in der Twitterkratie ist die Zahl der Abonnenten und Follower also die Größe der Blase die man zu eigenen Propagandazwecken erzeugen kann. In einer von der in digitalen Plattformen vorherrschenden Kommunikationsweise, fühlt sich der Demagoge ermutigt und stößt auf enorm viel Resonanz, die ihn weiter anstachelt. Eine Demokratie unter solchen Voraussetzungen wird nun regiert von denjenigen Menschen die die Fähigkeit besitzen breite Massen als Waffe zu verwenden, in dem sie ihre Meinung zu ihren Gunsten beeinflussen.
Denn sind diese Demagogen unglücklicherweise mit einem ungeheuerlichen Maß an Macht ausgestattet, sei es qua Amt oder Geburt, für einen Monarchen oder sagen wir den US-Präsidenten, so kann er durch die Twitterkratie einen unermesslichen Schaden anrichten.

Die Twitterkratie ist im Gegensatz zu rechtsstaatlichen Demokratien nicht mit checks and balances d.h. machteinschränkenden Instanzen ausgestattet, was Twitter sowohl zur idealen Waffe macht als auch besonders für Angriffe auf die analoge Welt eignet.

@ The real Twitter-Meister

Die Twitterkratie ist durch Donald Trump besonders bekannt geworden. Er hat wie kein anderer dieses Medium benutzt, um mit der Welt in seiner Funktion als Präsident zu kommunizieren und die Öffentlichkeit vor sich her zu treiben.

Der Charakter dieser sozialen Medien v.a. von Twitter ist die Erzeugung einer vermeintlichen Nähe zwischen Sender und Empfängern einer Botschaft. Fälschlicherweise wird das schnell mit Authentizität und Bürgernähe verwechselt. Die Tage nach der US-Wahl stehen hingegen emblematisch für das was Twitter und Co. Tatsächlich bewirken, nämlich einen intransparenten Raum für Angriffe und Verschwörungen. Trump hat sich lange nicht getraut, sein Gesicht nach der Wahl zu zeigen, Fragen zu beantworten und Widerspruch zu ertragen. Er hatte Angst vor der Öffentlichkeit und hat sich stattdessen in seine private, gesicherte Twitter-Kammer zurückgezogen, um ohne Umschweife seinen Anhänger*innen Verschwörungen einzuhämmern. Kurzzeitig schien er die diskursive Überhand verloren zu haben, i.bs. nach Bidens Presseterminen und Reden. Obwohl Trumps Tweets in den übrigen Medien aufgegriffen und rezipiert wurden, blieben sie doch stets reine Kommentierungen der Situation, deren Kontrolle ihm seit dem Wahltag entglitten war. Er verlor den Status des Agenda-setters, den er dank Twitter so oft in den letzten 5 Jahren innehatte und wurde zum Opfer der Dynamik. Vertauschte Rollen…

Und so hat Trumps Verhalten nach der Wahl, obwohl unbeabsichtigt, seinen tatsächlichen Gefühlszustand in diesen Tagen verraten und ihn wohl angreifbarer denn je während seiner Präsidentschaft gezeigt. Der Meister des Spiels mit dem digitalen Hashtag-Feuer hat dadurch seine Echokammer selbst in Brand gesetzt.

Das bedeutet weder für Trump noch für die Twitterkratie das Ende. Aber es zeigt, dass auch die Macht des wichtigsten Mannes der Welt mit der vermeintlich stärksten Waffe der Welt, nicht dermaßen unerschöpflich ist wie gedacht.

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