Karte von Zypern, Quelle: gemeinfrei

Teilweise Zwangsenteignung zypriotischer Bankkunden durch EU-Troika

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Von Raphael B. Ebler -
für Cognito-Magazin.de -

Zypriotische Bankkunden werden über das Wochenende um 6,75 bzw. 9 % ihres Bankguthabens enteignet. Dies ist die Auflage der Troika aus IWF, EU und EZB als Gegenleistung für einen gestern Nacht zugesagten Kredit, um das insolvente Zypern zu retten. Dafür werden dem bankrotten Staat, statt der von Zypern geforderten 17 Milliarden Euro, nur 10 Milliarden durch die Troika zur Verfügung gestellt. Die restlichen sieben Milliarden müssen, laut Absprache zwischen zypriotischer Regierung und Troika, von den Banken oder besser gesagt den Bankkunden übernommen werden.

Karte von Zypern, Quelle: gemeinfrei

Karte von Zypern, Quelle: gemeinfrei

Die Entscheidung zu der "Finanz-Solidaritätsabgabe" [1] fiel im frühen Morgengrauen am Samstag. Direkt nach der Bekanntgabe der kommenden Zwangsabgabe bildeten sich Schlangen vor den Bankautomaten und es brach ein kleiner Bankrun aus. Die Zwangsabgaben-Beträge wurden jedoch bereits auf allen Konten eingefroren und können nicht mehr abgehoben werden. Das restliche Guthaben sei allerdings nach wie vor abhebbar, hieß es. [2] Aufgrund eines Feiertages am Montag haben die Banken und Behörden nun drei Tage Zeit, um die Abgabe einzuziehen.

Die Zwangsabgabe von 6,75 % bei Guthaben unter 100.000 Euro und 9 % bei Guthaben über 100.000 Euro soll bis spätestens Dienstagmorgen von allen Konten eingezogen werden, sofern das zypriotische Parlament einen entsprechenden Beschluss über das Wochenende fällt. [1]

Die in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gefällte Entscheidung von Troika und zypriotischen Regierungsmitgliedern zeigt, wie schnell eine Enteignung der Bevölkerung vonstattengehen kann. Sie zeigt auch, wie machtlos die Menschen in einer solchen Situation sind, wenn Sie ihr Geld auf Bankkonten lagern.

Als Begründung für die Zwangsabgabe wurden u.a. die Konten russischer Oligarchen, die ihr Geld in großen Summen in zypriotischen Konten lagern, genannt. Auch sie müssen pro Million knapp 100.000 Euro an die Banken abdrücken.

Während die genannten Oligarchen diesen Verlust wohl noch verschmerzen können, sind vor allem Menschen mit geringerem Kontostand der Zwangsabgabe ausgeliefert. Über Nacht verringert sich auch ihr Kontostand um 6,75 %, was für viele Menschen einen harten Einschnitt in diesem Monat bedeutet.

Jörg Asmussen, Direktoriumsmitglied bei der Europäischen Zentralbank, betonte, dass es sich bei dieser Maßnahme um einen Einzelfall handeln wird und das derlei Zwangsabgaben in anderen EU-Ländern nicht erhoben werden würden. Bei dieser Aussage handelt es sich aber auch um eine Vorsichtsmaßnahme des EZB-Direktoriumsmitglieds, um einen Bankrun in anderen EU-Ländern abzuwehren.

Es ist auch logisch, dass Asmussen ein solches Statement abgibt, um die Bevölkerung anderer EU-Länder in Sicherheit zu wiegen. Wäre eine Zwangsabgabe auch in anderen Ländern geplant, würde dies mit Sicherheit nicht zuvor angekündigt. Vielmehr würde dies erst im Nachhinein bekannt gegeben, wenn sichergestellt ist, dass die Menschen ihr Geld nicht mehr zuvor abheben können.

Jeder EU-Bürger sollte sich Gedanken machen, wo er sein Geld lagert. Auch der sicherste Safe in einer Bank hat sich seit gestern als potentiell unsicher herausgestellt.

Quellen für diesen Artikel waren u.a.:
[1] http://www.tagesschau.de/wirtschaft/eurogruppe-zypern106.html
[2] http://www.faz.net/aktuell/politik/nach-rettungsbeschluss-mini-ansturm-auf-zyperns-banken-12116986.html

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