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Rauch über atomarerer Anlage – Bastelt Nordkorea an weiteren Atomwaffen?

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Seit Jahren stellt sich die Weltöffentlichkeit die Frage, wie weit das nordkoreanische Atomwaffenprogramm mittlerweile fortgeschritten ist. In der Tat, scheint Nordkorea seit geraumer Zeit verstärkt die Entwicklung atomwaffenfähiger Raketen und die Anreicherung atomaren Materials voranzutreiben.

Jetzt aufgetauchte Satellitenfotos eines Atomlabors in Yongbyon in Nordkorea, die auf der Website 38north.org veröffentlicht wurden, zeigen Rauch über einem Gebäudekomplex eines radiochemischen Labores. Wie eine Analyse der Bilder ergeben hat, scheint es sich um Rauchwolken zu handeln, die aus den Schornsteinen des Labors abgeleitet werden. Der Laborbetrieb war erst im September letzten Jahres wieder aufgenommen worden. Seitdem wurde mehrfach Rauchentwicklung beobachtet.

Die Rauchentwicklung könne auf laufende atomare Reaktionen in dem Labor hindeuten, so die Einschätzung. Ob Prozesse zur Anreicherung von Plutonium oder Uran oder gar eine laufende Kernspaltung die Ursache sind, lässt sich aufgrund der Abgeschottenheit des Landes nur aus der Ferne beurteilen. Laut 38north.org könnten in dem Labor diverse atomare Prozesse durchgeführt werden, bei denen waffenfähiges Plutonium hergestellt werden kann.

Bis zum Jahre 2003 war Nordkorea Mitglied im Atomwaffensperrvertrag, bevor das Land aus dem Vertrag austrat. Seitdem wird spekuliert, wie weit das Kernwaffenprogramm des Landes vorangekommen ist. Laut Darstellung des US-Geheimdienstes, ist Nordkorea in der Lage, große Mengen hochangereicherten Urans herstellen zu können. Stichfeste Beweise hierfür konnten bislang nicht offiziell vorgelegt werden. Dennoch wird geschätzt, dass Nordkorea derzeit bereits über mindestens 20 Atombomben verfügt.

In den letzten Jahren wurden zudem mehrere Kurz-, Mittel und Langstreckenraketen getestet, die potenziell auch mit Atomwaffen bestückt werden können. Deren Reichweite unterscheidet sich je nach Typ und soll zwischen 150 und 5000 km betragen. Sie könnten somit gegen Ziele in Asien (z.B. Südkorea, Japan, Indien, Russland), bis hin zu Gebieten in Alaska, eingesetzt werden.

Nordkorea führte auch in den letzten Wochen mehrere Raketentests durch und stiess weitere atomare Drohungen gegen Südkorea und die USA aus. In mehreren Propagandavideos wurde zudem die Vernichtung u.a. von New York und Washington simuliert dargestellt. Das nordkoreanische Regime betont auch selbst immer wieder, zur eigenen Selbstverteidigung im Ernstfall präventiv atomar zuzuschlagen und vorallem den südlichen Nachbarn zu vernichten. "Der einzige Weg zur Verteidigung der Souveränität unseres Volkes und dessen Existenzrecht in der derzeit extremen Situation ist, die atomare Streitmacht in Qualität und Quantität auszubauen", wurde Machthaber Kim zitiert.

Das nordkoreanische Atomprogramm läuft bereits seit den 1950er Jahren und wurde in den 70er bis 90er Jahren auch von der internationalen Gemeinschaft überwacht. Nach dem Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag 1994, läuft das Atomprogramm seit 2003 geheim weiter, was die Abschätzung der atomaren Entwicklung schwierig macht. Die Vermutung, dass Nordkorea in den letzten Jahren deutliche Fortschritte bei der Atomwaffenentwicklung gemacht hat, scheint sich mittlerweile zu bestätigen.

Im Jahre 2013 und 2015 verkündete das Land, über die technischen Vorraussetzungen zu verfügen, um atomare Sprengköpfe auf Raketen montieren zu können.

Am 6. Januar 2016 gab die Regierung von Nordkorea bekannt, erstmals einenerfolgreichen Test einer Wasserstoffbombe durchgeführt zu haben. Seismische Signale in der Nähe des Kernwaffentestgeländes Punggye Ri, belegten diese Darstellung und deuteten auf eine Kernwaffenexplosion hin.

Am 7. Februar 2016 schickte Nordkorea ausserdem eine Unha-3-Trägerrakete in eine Erdumlaufbahn. Von seiten Japans, den USA und Südkorea schätzte man dies als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete ein.

Die USA haben auf diese Tests mit der Stationierung weiterer Abwehrstellungen seines Raketensystems reagiert. Das US-Korea Institute warnte davor, dass Pjöngjang schon innerhalb der nächsten fünf Jahre sein Atomwaffenarsenal auf bis zu 100 Bomben ausbauen könnte.

Die USA, Russland, China, Japan und Südkorea führten in der Vergangenheit sogenannte Sechs-Parteien-Gespräche mit dem Regime durch, die ein Ende des Atomprogrammes zum Ziel hatten. Im Jahre 2012 verkündete Nordkorea sogar ein kurzzeitiges Atomwaffenmoratorium im Gegenzug für Nahrungsmittel. Dieses wurde jedoch kurze Zeit später schon wieder aufgehoben und weitere Raketentests durchgeführt. Seitdem kommen neben den üblichen militärischen Drohmanövern auch atomare Drohungen aus Nordkorea.

Aufgrund es laufenden Atomprogramms wurden die Sanktionen gegen das isolierte, kommunistische Land mehrfach verschärft, weshalb ein Großteil der Bevölkerung an Unterernährung leidet. Auch technisch stellen die Sanktionen Nordkorea immer wieder vor Probleme, auch bei seinen Waffenprogrammen.

Da bislang keine diplomatische Lösung für die Beendigung der Atomwaffenentwicklung erreicht werden konnte, schließen Japan, die USA und Südkorea auch ein militärisches Eingreifen nicht mehr vollkommen aus. Die Ungewissheit, über den atomaren Entwicklungszustand Nordkoreas, hat derartige Maßnahmen bislang allerdings verhindert, wodurch sich Nordkorea wiederum in seinen Atombemühungen bestätigt fühlt.

Trotz allem wird immer wieder auch über chinesische Vermittler versucht die Verhandlungen mit Pjöngjang neu aufzunehmen. Dies ist allerdings seit geraumer Zeit nicht von Erfolg gekrönt. Stattdessen geht das Säbelrasseln unvermindert weiter.

(von Raphael B. Ebler - für Cognito-Magazin.de)

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