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Präsidentenwahlen in den USA: Das gefährlichste Theaterstück der Welt

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Von Raphael B. Ebler - für Cognito-Magazin.de - Das Präsidentschaftsrennen 2016 in den USA ist eine der wohl polarisierendsten Theatervorstellungen der letzten Jahrzehnte beim Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner und Demokraten. Hillary Clinton und Donald Trump verkörpern vieles, was in Amerika schiefläuft.

Vorallem Trump, der mit Hetzerei spaltet und durch sich ständig widersprechende Statements Verwirrung stiftet, sorgt für einen selten dagewesenen Zirkus bei den Kandidatenvorwahlen. Mittlerweile hat er einen Großteil seiner republikanischen Kontrahenten ausgeschalten und die Mehrheit der bisher durchgeführten Vorwahlen deutlich gewonnen.

Doch wofür steht Trump?
Gerade aufgrund seiner widersprüchlichen Aussagen ist dies nur schwer einzuschätzen. Mal gibt er sich als der Selfmade-Milliardär mit einem Herz für die Armen und im nächsten Atemzug hetzt er gegen Einwanderer und das Establishment. Dass Trump mit dem Ottonormalbürgertum der USA allerdings kaum etwas gemeinsam hat, steht ausser Frage. Er mobilisiert seine Anhänger überwiegend durch puren Populismus. Er schafft es dabei dennoch Autorität auszustrahlen und mit hoffnungsvollen Floskeln wie "Make America great again!" immer mehr Anhänger zu finden. Die meisten seiner republikanischen Kontrahenten haben bereits resigniert die Flinte ins Korn geworfen.

Was ist mit Clinton?
Clinton wiederum profitiert vom überschaubaren Kandidatenfeld der Demokraten und muss sich lediglich gegen Bernie Sanders durchsetzen, um als Kandidatin der demokratischen Partei ins Präsidentenrennen zu gehen. Im Gegensatz zu Trump, ist bei Clinton klar, was ihre Präsidentschaft bedeuten würde: Eine Fortsetzung der kriegstreibenden Politik ihrer Vorgänger, gesponsort von Wall Street, Rüstungsindustrie und den Banken und die weitere Aushöhlung der Verfassung. Und das ist ihr großer Nachteil. Die Menschen haben die Schnauze voll von derartiger Politik, die die USA binnen weniger Jahre vom Weltmarktführer zur Dritteweltnation werden liessen - mit gigantischer Arbeitslosenquote und gravierenden sozialen Ungleichheiten.

Das weiss Donald Trump in seinem Wahlkampf zu nutzen. Er betont immer wieder, dass er seinen Wahlkampf selbst finanziert und nicht von Monopolisten gesponsort ist. Er stellt sich selbst als unabhängig dar. Und nichts wünschen sich die Amerikaner mehr, als einen vom Finanz-Establishment unabhängigen Präsidenten. Gleichzeitig betont er die Verfassung als Grundlage der USA.

Das gefährliche an Trump ist jedoch seine Unberechenbarkeit und sein ausufernder Narzissmus. Er redet am liebsten über sich selbst und seine Erfolge als Geschäftsmann, dem alles gelingt. Viele glauben ihm das. Er ist ein Meister im Übergehen unbequemer Fakten und im zertrampeln anderer. Laut Trump zählt nur das was Trump selbst als relevant erachtet. Er strotzt vor Selbstverliebtheit und erstickt jegliche Kritik im Ansatz. Störer und Leute mit anderer Meinung lässt er aus seinen Veranstaltungen werfen, frei nach dem Motto "You're fired!".

Warum ist dies so gefährlich?
Zum einen ist es nicht möglich, irgendeine Aussage Trumps als puren Populismus oder wirkliche Weltanschauung einzuordnen. Er sagt in jedem Augenblick das, was ihm in der jeweiligen Situation am meisten nützt, unabhängig davon, ob er sich dabei selbst widerspricht. Zum anderen ist Trumps Narzissmus krankhaft. Dieser krankhafte Narzissmus in Verbindung mit der Position als Präsident der Vereingten Staaten wäre eine große Gefahr für die Welt. Diverse Diktatoren der Vergangenheit haben demonstriert, was passiert, wenn Narzissmus und Machtpositionen sich vereinen: Der römische Kaiser Nero z.B. war ein geisteskranker Narzist - die Folge: Er fackelte seine eigene Hauptstadt ab. Hitler war ein absoluter Narzist - Resultat: 50 - 60 Millionen Tote. Diktatoren wie der Nordkoreaner Kim Jong-Un sowie seine Vorgänger waren bzw. sind Narzisten - das eigene Volk verhungert... es gibt unzählige weitere Beispiele.

Warum ist Narzismus in Verbindung mit Machtpositionen so gefährlich?
Narzisten halten sich selbst für eine Art Gott und Mittelpunkt der Welt. Ihr Wille und ihre Meinung stehen für sie über allem anderen. Gegenargumente lassen sie nicht zu. Sie neigen zu totalem Autoritätswahn. Man kann sich denken, was solch ein Narzist tut, wenn er die Möglichkeit erhält diese Autorität anzuwenden. Als US-Präsident könnte Trump z.B. mit Hilfe von Präsidialdirektiven (Executive Orders) seine narzistische Weltanschauung durchsetzen. Kongress und Parlament wären machtlos. Dabei müsste er, aufgrund seiner Selbstfinanzierung, nicht einmal auf Lobbyisten hören.

Die Amerikaner stehen aus diesen Gründen wie immer vor einer erdenklich undankbaren Entscheidung: Wählen sie erneut das Establishment, alias Hillary Clinton, bei der jedem klar sein dürfte, dass es mit der amerikanischen Gesellschaft weiter im bisherigen Stil bergab geht oder wählen Sie die Wundertüte Donald Trump, der definitiv unberechenbar ist und potenziell zur endgültigen Spaltung des Landes führt.

Eines dürfte in jedem Falle klar sein: Die amerikanischen Bürger werden so oder so nichts anderes als Statisten im gefährlichsten Theaterstück der Welt sein. Weder Trump noch Clinton repräsentieren mehr als die oberen 1% der amerikanischen Gesellschaft. Während Clinton für weitere Kriege im Ausland steht, ist Trump der Spalter des eigenen Landes. Es wäre nicht auszuschliessen, dass er seine Anhänger benutzt, um im eigenen Land "aufzuräumen".

Titelbild:
"Trump" von Marc Nozell from Merrimack, New Hampshire, US (CC-BY 2.0)
"Clinton" Hillary Rodham Clinton, Chatham House Prize 2013 Winner (CC-BY 2.0)

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