Gladiatorenkämpfe beim Brot und Spiele Festival in Trier, Foto: Medienfabrik Trier, http://www.medienfabrik-trier.de

Panem et circenses: “Brot und Spiele” halten das Volk (noch) ruhig

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Von Raphael B. Ebler -
für Cognito Magazin -

Der Begriff “Brot und Spiele” (lat. “panem et circenses”) entstand nach einem Zitat des römischen Satirikers Iuvenal (67 – 127).

Gladiatorenkämpfe beim Brot und Spiele Festival in Trier, Foto: Medienfabrik Trier, http://www.medienfabrik-trier.de

Im kaiserlichen Rom gab es viele Festtage, Gelegenheitsfeste und nicht zuletzt die Geburtstage der Kaiser, an denen Spiele veranstaltet wurden. Wagenrennen, Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen wurden zur Begeisterung, aber sicherlich auch zur Disziplinierung und Ablenkung der Massen inszeniert.

Durch diese Spiele sowie durch Geld- bzw. Getreidespenden versuchten die Kaiser die Gunst der Bevölkerung zu erhalten und gleichzeitig durch die Repräsentation von Reichtum ihre Macht zu festigen und das Volk ruhig zu stellen.
Auch heute noch kann man dieses Prinzip täglich live beobachten, z.B. mit den “Olympischen Spielen”, den Fußball-Welt- und Europameisterschaften, aber auch die regelmäßigen Fußball-Übertragungen, Weltcups und sonstigen Sportveranstaltungen, die live übertragen werden.

Hinzu kommen unzählige stumpfsinnige Sendungsformate, vor allem auf Privatsendern, die weder zur Bildung beitragen noch einen tieferen Sinn zu verstehen geben.
Immer haarsträubendere Scripted-Reality-Formate gehen auf Sendung. Das Schlimmste an der ganzen Sache ist, dass diese Sendungen enorme Einschaltquoten produzieren und gleichzeitig mit Mini-Budgets produziert werden. Offenbar ist der Otto-Normal-Fernsehgucker bereits geistig so umnachtet, dass er die offensichtlich unrealen, mit schauspielerisch unterqualifizierten Laiendarstellern gedrehten Sendungen, wie z.B. "X-Diaries" (RTL II), "Familien im Brennpunkt" (RTL) oder "K11-Kommisare im Einsatz" (Sat.1) auch noch gut findet.

Das Niveau des TV-Programms sinkt immer weiter ab. Je abstruser, irrealistischer und dumpfsinniger die Shows, desto mehr entpuppt sich der offensichtliche Zweck des Fernsehens: Gehirn abschalten, nicht nachdenken und sich mit Bier und Chips in eine fiktive (Alb-)Traumwelt hineinziehen lassen.

Hintergrundinformationen zu gesellschaftlich relevanten Themen findet man im Fernsehen kaum noch, und wenn, dann nur in wenigen Sendungsformaten auf den dritten Sendern oder Sendungen auf ARTE. Es wundert kaum, wenn diese Sendungsformate von immer weniger Menschen geschaut werden, denn schon ein einfacher sozialkritischer Beitrag scheint die meisten TV-Junkies intellektuell zu überfordern und sie schalten lieber zurück auf ihre oben erwähnten, stumpfsinnigen Lieblings-Programme.

In Wahrheit verfolgt die gesamte Unterhaltungsindustrie nur einen wirklichen Zweck: die Bürger sollen durch Dauerberichterstattung von Sportevents, Glamourgetratsche und Promikochen von den eigentlichen Machenschaften der gesellschaftlichen Führungsriege abgelenkt werden.

Sie glauben nicht, wieviele gravierende politische Entscheidungen stets während der großangelegten Berichterstattung über Sportevents wie die Olympischen Spiele oder der Fußball-Weltmeisterschaften getroffen werden, ohne dass irgendjemand ernsthaft nachfragen oder geschweige denn darüber informiert werden würde. Für die Medien scheint die Übertragung von "Brot und Spielen" weit reichende Priorität vor seriöser politischer und sozialer Berichterstattung zu haben. Man muss nur einmal auf den Sendeplan der Öffentlich-Rechtlichen schauen:

Olympia, Olympia, Olympia… Fußball, Fußball, Fußball. Sollte es mal keine Sportveranstaltung zu übertragen geben, so serviert man sinnlose Soaps und Zoo-Dokumentationen – keine Spur von Aufklärung und Information, obwohl dies in Deutschland die oberste Aufgabe von ARD und ZDF darstellt. Stattdessen findet man auch auf den öffentlich-rechtlichen Sendern mittlerweile viel unnötiges “Wissen”, Prominachrichten und gestellte Dokumentations-Soaps, die sich eng am Verblödungsfernsehen des Privatfernsehens orientieren.

Den Bürgern, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation eigentlich gegen ihre Herrscher rebellieren müssten, gesteht man im Extremfall einfach Hartz-IV zu, mit dem dann auch für “Brot” gesorgt ist. Schon hat man wieder ruhige, zufriedenenere Untertanen.

“Olympia und Hartz IV”: Das ist die moderne Variante von “Brot und Spielen” zum Zwecke der elitären Machterhaltung und völkischer Massenablenkung.

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