Bauplan der in Fukushima eingesetzten Mark I Druckcontainer, Foto: NRC, Lizenz: gemeinfrei

Neuer Alarm in AKW Fukushima: Kühlanlagen nach Stromausfall ausgefallen

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Von Raphael B. Ebler -
für Cognito-Magazin.de -

Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima besteht seit gestern ein erneuter Alarmzustand nachdem die Kühlsysteme der Brennstabpools aufgrund eines Strom-Blackouts ausgefallen sind.

Bauplan der in Fukushima eingesetzten Mark I Druckcontainer, Foto: NRC, Lizenz: gemeinfrei

Bauplan der in Fukushima eingesetzten Mark I Druckcontainer, Foto: NRC, Lizenz: gemeinfrei

Im durch das Erdbeben 2011 zerstörten AKW gibt es, laut dem Betreiber Tepco, einen anhaltenden Stromausfall, der am Montag um 18:37 Uhr Ortszeit begann.

Die Kühlanlagen sind notwendig, um eine Kettenreaktion in den mit gebrauchten Brennstäben gefüllten Brennstabpools zu verhindern, ohne Strom sind diese jedoch nicht funktionsfähig. Dies betrifft die beim Unglück am 11. März 2011 zerstörten Reaktoren 1, 3 sowie den Reaktor 4 als auch Anlagen, welche zur Behandlung von mit radioaktivem Caesium verseuchtem Wasser benötigt werden. [1]

Laut Tepco bestehe derzeit keine unmittelbare Gefahr. Die Glaubwürdigkeit der Tepco-Aussagen ist nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima allerdings sehr gering, vermeldet die Agentur AFP. Damals wurde das Ausmaß der Katastrophe heruntergespielt und der Betreiber Tepco informierte nur zögerlich und häufig mit falschen Angaben über den Verlauf des Unglücks und die Gefahren, die durch austretende Radioaktivität bestehen.

Die Ingenieure in Fukushima unternehmen derzeit Versuche, die Stromversorgung wiederherzustellen. Ohne die Kühlanlagen steigt die Temperatur in den Reaktorpools stündlich um bis zu 0,4 Grad Celsius und könnte in Reaktor 4 in vier Tagen den kritischen Temperaturpunkt von 65 Grad Celsius erreichen, bei dem eine radioaktive Kettenreaktion wieder in Gang kommt. [2]

Die Wasserzufuhr zu den Reaktoren 1, 2 und 3 sei weiterhin funktionsfähig, heißt es. Man rechnet mit einer absoluten Deadline für die Reparatur der Kühlsysteme in den anderen beiden Reaktoren von 14 bis 26 Tagen, bevor es auch dort zur Kettenreaktion kommen kann.

Die derzeit höchste gemessene Wassertempeatur sei in Reaktor 4 mit derzeit etwa 30,5 Grad Celsius.

Masayuki Ono, der derzeitige Kraftwerksleiter von Tepco versicherte, dass man die Reparatur und den Neustart der Anlagen derzeit priorisiert behandle. Er betonte außerdem, dass es keinen Grund zur Sorge gäbe, solange die gelagerten Brennstäbe mit ausreichend Wasser bedeckt seien. Tepco erhielt eine Vertrauensbekundung von der japanischen Regierung, die ihr bei der Behebung des Problems ihr vollstes Vertrauen aussprach.

Auch der Professor Akio Koyama von der Abteilung Reaktor Sicherheitsmanagement der Kyoto Universität bekräftigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: "Zu diesem Zeitpunkt glaube ich nicht, dass in Kürze etwas Ernstes passieren wird." Er wies aber darauf hin, dass es von äußerster Wichtigkeit sei, dass weiterhin Wasser zu den Brennstäben geleitet wird. "Wenn das Wasserlevel fällt und die Brennstäbe der Luft ausgesetzt werden, dann müssen wir uns Sorgen machen", sagte Koyama weiter. [1]

Seit dem Unglück im März 2011, als es im AKW Fukushima nach einem Erdbeben und Tsunami zu Kernschmelzen in drei der sechs Reaktoren gekommen ist, versuchen Ingenieure und Techniker verzweifelt die Lage unter Kontrolle zu bringen. Die Informationspolitik von Tepco und der Regierung gegenüber der Öffentlichkeit hat sich seitdem mehrfach als äußerst schleppend und verschleiernd erwiesen. Die Radioaktivität hat sich während und nach dem Vorfall rund um das AKW und im Ozean an der Küste Japans ausgebreitet und war nach den Kernschmelzen in geringeren Konzentrationen in weiten Teilen der Welt meßbar.

Die Reparatur- und Aufräumarbeiten gestalten sich aufgrund der gefährlichen Radioaktivität in und um das AKW schwierig. Mehrfach traten Probleme bei der Kühlung der noch immer vorhandenen Brennstäbe und der Abschätzung der Situation auf. [3]

Update: 21.03.2013:
Die Stromversorgung wurde mittlerweile wieder hergestellt und die Kühlsysteme laufen wieder. Schlimmeres konnte also verhindert werden. Ursache war laut BBC eine defekte Schaltanlage. [4]

Quellen für diesen Artikel:

[1] http://www.japantoday.com/category/national/view/crippled-fukushima-nuclear-plant-suffers-blackout
[2] http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/fukushima-stromausfall-legt-kuehlsystem-lahm-a-889635.html
[3] http://www.marketwatch.com/story/fukushima-reactor-cooling-system-suspended-kyodo-2012-06-30
[4] http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-21840080

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