Flagge Griechenlands, Quelle: gemeinfrei

Griechenland: Zensur über Armutslage verhängt

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Von Raphael B. Ebler -
für Cognito-Magazin.de -

Der gesellschaftliche und finanzielle Zustand Griechenlands ist auf Grund der Finanzoppression der Troika, bestehend aus EU, IWF und EZB katastrophal.

Es ist zwar unbestritten, dass die Griechen jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gelebt haben, aber seit den aufgezwungenen Sparmaßnahmen, welche Griechenland von der Troika auferlegt wurden, hat sich die Lage noch weiter verschlimmert. Zwar ist die finanzielle Situation des Staates aufgrund von Einsparmaßnahmen besser geworden,[1] doch durch Streichung von Renten- und Arbeitslosengeld ist ein großer Teil der griechischen Bevölkerung mittlerweile verarmt und die Anzahl an Arbeitslosen und Wohnsitzlosen ist in den vergangenen Jahren enorm angestiegen. Seit 2003 hat sich die Arbeitslosenquote von 9,3% auf über 25% fast verdreifacht. Die Regierung geht nun mit Zensur gegen die Berichterstattung über die wahren Zustände vor. [2]

Flagge Griechenlands, Quelle: gemeinfrei

Flagge Griechenlands, Quelle: gemeinfrei

Um das Bild der gesellschaftlichen Missstände positiver darzustellen, ist es in Griechenland seit einigen Tagen verboten, in den Medien Bilder von Obdachlosen zu zeigen. Verstöße werden mit hohen Geldstrafen geahndet. In den Medien soll nur noch die offizielle staatliche Propaganda über Besserung der Zustände und wirtschaftlichen Aufschwung gezeigt werden. Dies stellt natürlich eine ernsthafte Medienzensur durch den Staat dar.

Doch die Zensur soll nicht nur auf nationaler Ebene etabliert werden. Der griechische Medienrat geht derzeit gegen den englischen Guardian vor, welcher vor kurzem durch ein "Picture of the Day" über die Zustände in Griechenland berichtete. Das Bild zeigt Arbeits- und Wohnungslose, welche um einen Sack Orangen betteln. [2a] Die griechische Regierung wirft dem Guardian und anderen ausländischen Medien vor, "das Bild des Landes im Ausland [zu] verzerren und somit dem Land Schaden zu[zu]fügen" [Anm. d. Red.]. [3]

In Griechenland sind in den vergangenen Monaten Millionen von Menschen gegen die Sparmaßnahmen der Regierung auf die Straße gegangen. Dabei kam es teilweise zu schweren Ausschreitungen und einer Vielzahl von Festnahmen durch die Polizei. [4]

Bereits seit geraumer Zeit ist der Guardian ein Dorn im Auge der griechischen Regierung. Hintergrund ist die Berichterstattung des Guardian über angebliche Folter in griechischen Gefängnissen. Der Guardian berief sich dabei auf ein Video, welches Polizeibeamte bei der Misshandlung Gefangener zeigt. [5] Die griechische Regierung pocht jedoch darauf, dass es lediglich "ein paar Ohrfeigen" für Terrorverdächtige gegeben habe. Dies widerspricht allerdings zahlreichen Berichten weiterer festgenommener Personen, welche ebenfalls behaupten, misshandelt worden zu sein.

Auch solche Geschichten können in Zukunft durch die neue gesetzliche Zensurregelung unterdrückt werden. [3]

Statt der Armut im eigenen Land entgegenzutreten, hat man sich in der griechischen Regierung also dazu entschieden, lieber einen Vorhang des Schweigens über das wahre Ausmaß des gesellschaftlichen Zerfalls zu ziehen. Eine freie Berichterstattung über die Problematik ist für die Medien in Griechenland nun definitiv nicht mehr möglich. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass zukünftig vermehrt gute Meldungen über die Zustände im Land zu hören sein werden - zumindest in den nationalen griechischen Medien.

Quellen für diesen Artikel waren u.a.:
[1] http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/troika-legt-bericht-zu-griechenland-vor-a-866682.html
[2] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/17312/umfrage/arbeitslosenquote-in-griechenland/
[2a] http://www.guardian.co.uk/world/picture/2013/feb/06/greece-debt-crisis
[3] http://www.heise.de/tp/artikel/38/38543/1.html
[4] http://de.euronews.com/tag/demonstrationen-in-griechenland/
[5] http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=4ulfWDUakas

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