Eurasischer Dachs, Foto: BadgerHero, Lizenz: CC BY-SA 3.0

GB: 5.000 Dachse sollen abgeschlachtet werden um Rinder-Tuberkulose einzudämmen

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Von Raphael B. Ebler -
für Cognito-Magazin.de -

Die britische Regierung hat die Abschlachtung von 5.000 Dachsen in den britischen Counties Gloucestershire and West Somerset abgesegnet. Über vier Jahre will man nun die angegebene Anzahl der Tiere töten und so die Dachspopulation um 70% reduzieren. Mit der Reduzierung des Dachsbestandes will man die Übertragung von Rinder-Tuberkulose auf den Viehbestand in Großbritannien verhindern. Dachse gelten als Überträger dieser Krankheit. [1]

Eurasischer Dachs, Foto: BadgerHero, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Eurasischer Dachs, Foto: BadgerHero, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Diverse Wissenschaftler und Politiker haben sich vehement gegen die radikale Behelfsmaßnahme ausgesprochen, da die Folgen für das ökologische Gleichgewicht nicht abschätzbar seien. Dachse sind wichtige Nützlinge u.a. für die Reduzierung von Mäusebeständen und kleineren Tieren wie Schnecken, Engerlingen und Würmern. Dachse sorgen außerdem für die Verwertung von Aas.
„Deshalb ist der Dachs für uns im Wald nur nützlich und es gibt keinen vernünftigen Grund, Dachse zu jagen“, sagt der Waldpädagoge und Förster Peter Fischer aus Darmstadt.[2]

Die Aktion gilt als Pilotprojekt und sollte bereits im letzten Jahr durchgeführt werden. Damals musste die Unternehmung aufgrund schlechter Witterung und einer unterschätzten Population der Dachse verschoben werden.

Ziel der Tötungsaktion ist der Versuch, die Ausbreitung der Rinder-Tuberkulose zu verringern. Nach dem Abschuss der Dachse will man untersuchen, ob die Häufigkeit der Krankheit im Viehbestand der beiden Counties zurückgeht.

Die Aktion soll auf Druck der Farmerlobby stattfinden und man will jährlich bis zu 500 Millionen britische Pfund einsparen, welche für die Bekämpfung der Rinder-Tuberkulose jährlich ausgegeben werden. Laut Angaben des britischen Landwirtschaftsministeriums würden sich die Kosten auf bis zu 1 Milliarde in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, wenn man nicht anfinge neue Wege bei der Bekämpfung der Krankheit zu gehen.

Die Schlachtung der Dachse wurde als notwendiges Mittel bezeichnet, da man die Krankheit nicht bekämpfen könne, wenn potenzielle Überträger in direkter Nachbarschaft zu Rinderherden vorkämen.

Die drastische Aktion wurde vor allem von Tierschützern heftig kritisiert, die die Aktion als "Tragödie für die wilde Tierwelt" brandmarken und stattdessen eine ausgiebige Impfaktion forderten. Das absegnende Ministerium widersprach den Tierschützern mit der Begründung, es gäbe noch nicht ausreichend geprüfte Impfstoffe.

Obwohl 150.000 Briten eine Petition gegen die Abschlachtung der Dachse unterschrieben haben, soll die Tötungsaktion nun im Sommer beginnen. [1]

Auch ignoriert der Beschluss weitere Aspekte, weshalb sich die Rinder-Tuberkulose in Großbritannien vermehrt ausbreitet: Die ausufernde Massentierhaltung auf engstem Raum erleichtert die Übertragung von Rind zu Rind und übermäßige Gabe von Antibiotika führt zu Resistenzen der Tuberkulose-Bakterien. Doch diese strukturellen Probleme anzugehen scheint weniger wichtig oder schlichtweg schwieriger als die Dachspopulation, als ausgewählten Sündenbock, zu vernichten.

Quellen für diesen Artikel:
[1] http://www.telegraph.co.uk/earth/environment/9897723/5000-badgers-to-be-killed-as-minister-announces-pilot-culls-this-summer.html
[2] http://www.kinder-echo.de/machdichschlau/serien/tiereinunserenwaeldern/art280,141

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