Gen, Quelle: Courtesy: National Human Genome Research Institute, Lizenz Public Domain

Etappensieg für die Menschheit: Menschliche Gene nicht mehr patentierbar

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Von Raphael B. Ebler -
für Cognito-Magazin.de -

Sie sind der Bauplan, nach dem sich Organismen formen und wachsen: Gene.

In den letzten 30 Jahren machte die Erforschung der Genstruktur bei Mensch und Tier enorme Fortschritte, viele der wichtigsten Gene wurden entdeckt - und patentiert.

Gen, Quelle: Courtesy: National Human Genome Research Institute, Lizenz Public Domain

Gen, Quelle: Courtesy: National Human Genome Research Institute, Lizenz Public Domain

Gentechnik-Konzerne liessen sich die gefundenen Gensequenzen auf ihre Fahnen schreiben und beantragten Patentschutz für die Diagnostik und Verwendung dieser von ihnen entdeckten Sequenzen. Damit ist jetzt Schluss - zumindest in den USA.

Der Oberste Gerichtshof der USA, der Supreme Court, hat in einem der wohl wichtigsten Urteile seiner Geschichte für die Menschheit und gegen die wirtschaftliche Ausbeutung natürlicher Lebensbestandteile gesprochen, indem er die Patentierung natürlicher Gensequenzen untersagt hat. In der Begründung hiess es, dass Patente nur auf ERFINDUNGEN ausgestellt werden können, nicht aber auf GEFUNDENES, was sowieso bereits in der Natur vorhanden ist.

Mit dem Urteil sind tausende bereits ausgestellte Patente für menschliche Gene hinfällig geworden. Die Inhaber dieser Patente, die Gentechnikfirmen, können von nun an keine natürlichen Gensequenzen mehr patentieren lassen. Sie können auch keine Tantiemen für die Verwendung bzw. Erforschung dieser Gene mehr verlangen.

Die Entscheidung des Supreme Court ist für die Medizin und die Menschheit an sich von enormer Bedeutung: Wenn es weiterhin möglich gewesen wäre, Gensequenzen, welche auf natürlichem Weg entstehen und sich verbreiten, patentieren zu lassen, nur aufgrund ihrer ENtdeckung, wäre in Zukunft einiges auf die Bevölkerung zugekommen. So hätten Firmen besipielsweise von Menschen, welche diese patentierten Gensequenzen in sich tragen oder an ihre Kinder auf natürlichem Wege durch Fortpflanzung weitergegeben hätten, Tribut verlangen können. Eltern hätten für die "Benutzung" der patentierten Gene in ihren Kindern zur Kasse gebeten werden können.

Das Verbot der Patentierung welches nun durch den Supreme Court ausgesprochen wurde, beinhaltet allerdings nicht die Patentierung und wirtschaftliche Ausbeutung natürlicher Gensequenzen bei Tieren und Pflanzen, die noch immer genetisch modifiziert und deren Gene noch immer von den Konzernen, wie Monsanto, unter Patentschutz gestellt werden können. Es ist allerdings ein erster und wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Mit dem Urteil des Supreme Courts ist dies nun nicht mehr möglich - vorerst jedoch nur in den USA. In Europa gibt es noch keine entsprechende Gesetzgebung bzw. kein Urteil des Europäischen Gerichtshofes oder eines anderen obersten Gerichts zu dieser Thematik.

Dass das US-Gericht nun allerings dem Treiben der Gentechnikkonzerne einen Riegel vorgeschoben hat, zumindest für menschliche Gene, lässt hoffen, dass auch Europa bald nachziehen wird, spätestens, wenn es zu einem Verfahren gegen die Patentierung vor dem EuGH kommt.

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