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Die Plastikmeere: Wie künstliche Stoffe die Ozeane verseuchen

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von Thomas Walter Lemming -
Cognito Magazin -

Plastik wohin das Auge reicht: Kanister, Plastiktüten, Plastikmüll. Seit dem Einzug von Kunststoffen in unseren Alltag, hat sich in den Ozeanen so einiges angesammelt - vieles davon ist giftig.
Durch Flüsse und Müll-Verklappung gelangen Unmengen an Kunststoffen in die Weltmeere, wo Sie durch Meeresströmungen verbreitet werden. An gewissen Punkten, meist an Stellen in den Ozeanen an denen wenig Strömung herrscht, lagert sich der Plastikmüll dann ab.

Die Erfindung von Kunststoffen hat unsere Welt revolutioniert. Kunststoffe finden wir heutzutage überall in unserem Alltag, egal ob Plastiktüten, Verpackungen, Zahnbürsten, Lappen, Kleidung. Kunststoff ist ein universeller Werkstoff, der im Laufe der Zeit immer mehr Naturprodukte ersetzte. Vorallem die technischen Eigenschaften, wie Formbarkeit, Härte, Elastizität, Bruchfestigkeit, Temperatur-, Wärmeformbeständigkeit und chemische Beständigkeit, durch die Wahl von Ausgangsmaterial, Herstellungsverfahren und Beimischung von Additiven macht Kunststoff in vielen Bereichen mittlerweile zu einem unverzichtbaren Produkt.

Kunststoffe werden zu Formteilen, Halbzeugen, Fasern oder Folien weiterverarbeitet. Sie dienen als Verpackungsmaterialien, Textilfasern für Kleidung, Wärmeisolierung bei Häusern, werden verlegt als Rohre, Bodenbeläge. Man findet sie als Bestandteile von Lacken, Klebstoffen und Kosmetika und in der Elektrotechnik als Material für Isolierungen, Leiterplatten, Gehäuse, ebenso im Fahrzeugbau als Material für Reifen, Polsterungen, Armaturenbretter, Benzintanks und vieles mehr.

Die ersten Kunststoffe wurden im 17. und 18. Jahrhundert in der Industrie eingesetzt und wurden grösstenteils aus natürlichem Kautschuk, dem zähen Saft des Kautschukbaumes, hergestellt. Ende des 19. Jahrhunderts anfang des 20. Jahrhunderts wurde dann die künstliche Synthese von Kunststoffen aus Erdölbestandteilen erfunden.

Der deutsche Chemiker Hermann Staudinger war einer der Pionier im Bereich der synthetischen Herstellung von Kunststoff und einer der ersten der sich mit der Polymerchemie beschäftigte. Seine Entdeckungen sollten die Industrie revolutionieren.

Neben all den nützlichen Zwecken, für die Kunststoff heutzutage eingesetzt werden kann gibt es aber auch die Schattenseite.

Die meisten Kunststofferzeugnisse sind nicht biologisch abbaubar. Einmal weggeworfen werden viele Kunststoffe nicht wieder verwendet. Durch Flüsse und Transport landen sie früher oder später am Ende des Wasserkreislaufes, nämlich in den Ozeanen.

"Die Meeresschutzorganisation Oceana geht davon aus, dass weltweit jede Stunde rund 675 Tonnen Müll direkt ins Meer geworfen werden, die Hälfte davon ist aus Plastik. Der an der Oberfläche schwimmende Kunststoffabfall ist lediglich ein kleiner Teil des gesamten Aufkommens. Etwa 70 Prozent sinkt auf den Meeresgrund. Und sammelt sich dort kontinuierlich an. An manchen Stellen des Meeres ist der Grund nicht mehr sichtbar. Laut dem Magazin «Geo» dauert es bis zu 500 Jahre, bevor sich das Plastik zersetzt und in seine chemische und meist giftige Bestandteile auflöst." [1]

Verschiedene Expeditionen zu Schiffswracks und andere Tauchgänge im Zuge der Meeresforschung haben Plastikmüll in vielen Teilen der Ozeanen nachgeweisen, wo sie sich häufig am Ozeanboden sammeln. Aufgrund dessen, dass eine biologische Verwertung durch Bakterien oder andere Lebewesen nicht stattfinden kann stapeln sich Millionen Tonnen Plastikmüll am Ozeanboden, alleine im Atlaantik. Auch im Pazifik und allen anderen Ozeanen steigt die Verschmutzung durch Plastikmüll.

Während gewisse Kunststoffe, trotz ihrer Unzersetzbarkeit, relativ unbedenklich sind, so sind viele andere Kunststoffe oftmals mit giftigen Chemikalien verunreinigt. Vorallem Reste von Lacken und Chemikalienbehälter, die ungesetzlicherweise im Ozean entsorgt werden, belasten die Meere und damit auch die in ihr lebenden Organismen.

Diese Organismen wiederum nehmen die Giftstoffe in sich auf und über die Nahrungskette landen sie dann irgendwann wieder da wo sie herkamen, beim Menschen. Wenn der Mensch die Meere vergiftet, vergiftet er sich also letzenendes selbst. Die Folgen des ganzen sind noch lange nicht abschätzbar.

"Der Meeresbiologe Richard Thompson von der University of Plymouth hat untersucht, wie Plastikstücke im Wasser zu immer kleineren Teilchen zerfallen. Das Ergebnis war, dass die Kunststoffpartikel wie ein Schwamm auf andere Giftstoffe im Meer wirken. Wenn Fische nach dem Verzehr solcher Teile nicht unmittelbar sterben, sammeln sich die Toxine in ihrem Organismus an und gelangen nach Thompsons Beobachtungen so in die Nahrungskette des Menschen. Dabei muss nicht unbedingt Fisch auf dem Teller landen. So wird beispielsweise Fischmehl zu Hühner-futter verarbeitet." [1]

Kunststoff - Klassifizierung, Quelle: Bundesumweltamt

In den letzten Jahren wurde auf Druck iverser Umweltschutzorganisationen und auch der Verbraucher vermehrt in die Erforschung biologisch abbaubarer Kunststoffe investiert. Dies ist ohne Zweifel der einzig richtige Weg.

"Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen werden in der Regel als Biokunststoffe  oder Biopolymere bezeichnet, wobei diese und ähnliche Begriffe – zum Beispiel „biobasiert“ – bis heute nicht eindeutig definiert sind. Die Entwicklung einer Terminologie durch nationale und in- ternationale Normungsgremien hat für diese  Werkstoffgruppe gerade erst begonnen und wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen." [2]

Desweiteren die Dokumentation "Ozeane aus Plastik" vom österreichischen Rundfunk ORF 2 aus der Sendung Weltjournal:

Teil 1/3:

(Videoquelle: http://www.youtube.com/watch?v=jRlQEhz7feQ)

Teil 2/3:

(Videoquelle: http://www.youtube.com/watch?v=2cFPI1jEf70)

Teil 3/3:

(Videoquelle: http://www.youtube.com/watch?v=L89MH2gIHw8)

Quellen für diesen Artikel waren u.a.:

[1] http://www.youtube.com/watch?v=a5X83N3kCL0

[2] http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3834.pdf

[3] http://www.sueddeutsche.de/wissen/umweltverschmutzung-im-pazifik-ein-strudel-aus-plastikmuell-1.90875

[4] http://youtu.be/jRlQEhz7feQ

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