Rhinanthus AlectolopZottiger Klappertopf (Rhinanthus Alectolophorus), Foto: Bernd Haynold, Lizenz: Dual License GFDL and CC-BY-SA 3.0horus, Foto: Bernd Haynold, Lizenz: Dual License GFDL and CC-BY-SA 3.0

Die Intelligenz der Pflanzen

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Von Raphael B. Ebler -
für Cognito-Magazin.de -

Rhinanthus AlectolopZottiger Klappertopf (Rhinanthus Alectolophorus), Foto: Bernd Haynold, Lizenz: Dual License GFDL and CC-BY-SA 3.0horus, Foto: Bernd Haynold, Lizenz: Dual License GFDL and CC-BY-SA 3.0

Zottiger Klappertopf (Rhinanthus Alectolophorus), Foto: Bernd Haynold, Lizenz: Dual License GFDL and CC-BY-SA 3.0

Früher dachte man, dass nur Menschen Werkzeuge benutzen und über Intelligenz verfügen. Dann hat man festgestellt, dass dies nicht stimmt und auch gewisse Tierarten, beispielsweise Primaten, Werkzeuge benutzen, um Nahrung wie z.B. Ameisen, zu angeln und Hindernisse zu überwinden. Doch ist es möglich, dass sogar ganz andere Arten von Organismen, über eine gewisse Art der Intelligenz verfügen? Jeder hat schon einmal Geschichten gehört über eine Verbesserung des Wachstums von Pflanzen durch Besingen oder durch mit ihnen sprechen.

Dr. Stefano Mancuso ist ein Forscher aus Florenz, der sich intensiv mit der Frage beschäftigt, ob Pflanzen also über eine gewisse Art der Intelligenz verfügen. Mancuso definierte Intelligenz als die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Er ging der Frage nach, welche Wege die Pflanzen nehmen, um problematische Situationen zu lösen. Bei seinen Untersuchungen fand er heraus, dass Pflanzen eine sehr komplizierte Kombination chemischer Kommunikation verwenden, um sich gegenseitig vor Gefahren zu warnen, Feinde abzuschrecken und ihnen freundlich gesinnte Lebewesen für eine symbiotische Kooperation zu gewinnen. [1]

Zwar haben Pflanzen kein Gehirn, aber Mancuso stellte fest, dass die Wurzeln der Pflanzen die Funktion des Gehirns übernehmen. Mit ihren Wurzeln können Pflanzen diverse Umgebungsvariablen auswerten und sogar elektrische Spannung wahrnehmen. Die Wurzelspitzen verfügen, laut Mancuso, über ähnliche Strukturen wie Gehirnzellen. In der Übergangszone der Wurzelspitzen nehmen die Pflanzen die größte Sauerstoff-Menge auf, stellte Mancuso fest. Dies widerlegt, dass Pflanzen Gasaustausch hauptsächlich durch ihre Blätter bewerkstelligen. Dies führt Mancuso auf die enorme Oberfläche zurück, welche die Wurzelstränge besitzen. [2]

Mancuso konnte mindestens 15 chemische und physische Prozesse dokumentieren, mit denen Pflanzen intelligent kommunizieren. Er stellte auch fest, dass Pflanzen dadurch ihre eigenen Artgenossen und andere Lebewesen wahrnehmen und auf sie reagieren.

Mancuso schliesst sich damit der Hypothese Charles Darwins an, der schon zu seiner Zeit über ein Wurzelgehirn ("root brain") philosophierte. zusammen mit seinem Sohn Francis Darwin, in seiner Abhandlung "The Power of Movement of Plants", schrieb er über die Möglichkeit, dass Wurzeln eine Art Gehirn der Pflanzen darstellen, das die Bewegungen und Reaktionen von Pflanzen auf die Umwelt steuert.  Darwin schrieb damals: "Es ist kaum eine Übertreibung zu sagen, dass die sensibe Wurzelspitze, die Bewegung anderer Pflanzenteile beeinflussen kann, in etwa wie das Gehirn von unteren Tierarten funktioniert, wobei das Gehirn am unteren Ende des Körpers gelegen ist, wo es die Eindrücke der Umwelt als Sinnesorgan wahrnimmt und dann die Bewegungen anderer Pflanzenteile beeinflusst." [3]

Auch andere Forscher haben auf diesem Gebiet bereits weitere Erkenntnisse erzielt und die Kommunikation von Pflanzen untereinander, mithilfe elektrischer und chemischer Signale, belegt. Einer der Co-Autoren von Mancusos Studie, Frantisek Baluska, betonte im Interview mit der Seite Ithaka-Journal.net, dass es nachgewiesen sei, "dass Pflanzen sofort auf jede Art von Stress wie Kälte, grelles Licht oder Verwundungen mit elektrischen und chemischen Signalen reagieren. Die elektrische und die chemische Kommunikation sind vernetzt." [4]

Die pflanzliche Kommunikation ist also durchaus gezielt und unmittelbar. Ob man hierbei jedoch von wirklicher Intelligenz sprechen kann, kommt wohl eher auf die Begriffsdefinition an. Mit der o.g. Definition, dass Intelligenz die Fähigkeit Probleme zu lösen darstellt, könnte man den Pflanzen dies durchaus zusprechen. Die Funktionsweise der pflanzlichen Intelligenz findet jedoch nicht auf gedanklicher Ebene statt, sondern funktioniert viel mehr durch Reaktion und Gegenreaktion auf unterschiedliche Reize. Pflanzen reagieren also auf ähnliche Art und Weise wie Quallen oder Würmer. [5]

Eine weitere Frage, die bei der Diskussion über pflanzliche Intelligenz aufkommt, ist die, ob Pflanzen auch über Gefühle wie Schmerz oder Freude verfügen. Wenn man dem im 19. Jahrhundert lebenden Pflanzenforscher Jagadish Chandra Bose folgt, reagieren Pflanzen in der Tat auf schmerzhafte und freudige Ereignisse ähnlich wie Tiere und Menschen. Bei seiner Forschung über pflanzliche Intelligenz experimentierte Jagadish Bose unter anderem auch mit der Wirkung von Radiowellen und Elektroimpulsen. [6]

Auch als Laie kann man die Reaktion von Pflanzen auf ihre Umwelt beobachten: Wenn Pflanzen beispielsweise Wasser wahrnehmen erhöht sich automatisch ihre "Lebendigkeit". Ihre Blätter folgen ausserdem dem Verlauf der Sonne. Bei Verletzungen reagieren Pflanzen durch eingeschränktes Wachstum und gedeihen weitaus schlechter.

Selbst wenn man Pflanzen keine Intelligenz im eigentlichen Sinne zusprechen möchte, und erst recht nicht die Fähigkeit zu Schmerz- und Freudeempfinden, so muss jedoch klar festgestellt werden, dass Pflanzen durchaus die Fähigkeit besitzen, gezielt auf ihre Umwelt zu reagieren. Im rudimentärsten Sinne, könnte man dies also als eine gewisse Art der Intelligenz bezeichnen.

Quellen für diesen Artikel waren u.a.:

[1] http://www.pnas.org/content/early/2009/02/19/0804640106.full.pdf
[2] http://pubget.com/paper/20621671/Root_apex_transition_zone__a_signalling_response_nexus_in_the_root
[3] http://pubget.com/paper/20514226/The__root_brain__hypothesis_of_Charles_and_Francis_Darwin__Revival_after_more_than_125_years
[4] http://www.ithaka-journal.net/wie-pflanzen-kommunizieren
[5] http://www.innovations-report.de/html/berichte/biowissenschaften_chemie/pflanzen_kommunizieren_elektrosignale_127574.html
[6] http://humantouchofchemistry.com/jagdish-chandra-bose.htm

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