Euro_banknotes_2002

Die EZB-Geldpolitik: Negativzins und Nullzins fördern die Blasenbildung und vergrößern das Schuldendilemma

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Von Raphael B. Ebler für Cognito Magazin -

Die Wirtschaft im Euroraum stagniert. Wachstum ist kaum noch vorhanden. Die EZB möchte mit Nullzins und Negativzins die Wirtschaftsflaute beheben und vergrößert so noch das Problem. Beinahe alle EU-Staaten verzeichneten in letzter Zeit einen Rückgang des Handelsvolumens und des Wirtschaftswachstums. Politik und EZB schieben dies auf mangelnde Investitionsmöglichkeiten auf Grund fehlender Kreditvergabe, doch das Gegenteil ist der Fall.

Das Abebben des Wirtschaftswachstums beruht überwiegend auf der sinkenden Kaufkraft und Kaufbereitschaft der Bevölkerung. Schulden machen lag lange im Trend, wird aber von immer mehr Menschen vermieden, was auch sinnvoll ist. Gleichzeitig bleibt bei vielen Beschäftigten immer weniger von der Lohntüte in der eigenen Tasche. Hohe Energiekosten, Teuerungsrate bei Lebensmitteln und die steigende Steuerlast nehmen den Bürgern ihre Kaufkraft.

Die Geldpolitik der EZB hat das Ziel, die Kreditvergabe anzuregen, in dem die Rentabilität der Geldhortung durch Kreditinstitute durch Strafzinsen gesenkt wird. EZB-Chef Mario Draghi hält an dieser Linie fest, obwohl dadurch weitere Probleme entstehen. Denn: Das derzeitige Finanzsystem beruht auf der Schaffung neuer Schulden. Ohne neue Kredite kann auch die Geldmenge nicht weiter erhöht werden.

Durch die Flutung des Geldmarktes und die enorme Erhöhung der Staatsanleihekäufe durch die EZB, hat sich die offizielle Geldmenge in den letzten Jahren vervielfacht. Das Geld allerdings befindet sich nur bedingt im freien Kreislauf. Mehrere hundert Milliarden, bis zu mehreren Billionen (zurückhaltende Schätzung), werden von Banken und Versicherungen gebunkert, zum Teil auch bei der EZB. Diese kommen weder der Kaufkraft noch dem Wirtschaftskreislauf zu Gute. Ein kleinerer Teil wandert durch Kreditvergabe wieder in den Investitionskreislauf. Vorallem größere Unternehmen investieren auf Kreditbasis in ihre Entwicklung.

Was die EZB nun forciert ist die zinslose Kreditvergabe, d.h. durch Nullzins und Negativzins muss der Kreditnehmer weniger zurückzahlen, als er durch einen Kredit zur Verfügung gestellt kriegt. Dies soll den Anreiz zur Kreditaufnahme vergörßsern. Dennoch sind auch diese Kredite Schulden, die früher oder später zurückgezahlt werden müssen. Dies wiederum bedeutet, dass sich alle potenziellen Kreditnehmer zweimal überlegen, einen Kredit aufzunehmen, insbesondere wenn auf weitere Zinssenkungen spekuliert werden kann.

Da den Banken durch die Zinslosigkeit von Krediten der wichtigster Pfeiler ihres operativen Geschäftes genommen wird, greifen diese zur Generierung neuen Profits zu Gebührenerhöhungen für Kontoführung und Sparenlagen. Dies bedeutet insgesamt, dass zum einen die Negativgeldmenge (Schulden der Kreditnehmer) steigt, zeitgleich aber die Positivgeldmenge (Guthaben der Sparer) gesenkt wird. Die Folge ist eine Eradikation realer Geldmittel und das weitere Aufblähen des Schuldensystems.

Kredite mit Negativzins ermöglichen zudem, dass Spekulanten mit "billigem" geliehenen Geld, zur weiteren Blasenbildungen bei Immobilien und im Aktienhandel beitragen. Die Handlungen der EZB sind somit keine Lösung des Problems sondern verstärken das Dilemma.

Weltweit wurden aus einer Geldmenge von rund 63 Billionen Euro, durch Wiederverleihung, über 690 Billionen Schulden angehäuft. Gleichzeitig tauchen die Schulden der Kreditnehmer wieder als Positivguthaben in den Bilanzen der Banken auf. Dieses falsche Positivguthaben kann wiederum bis zu 90% erneut als Kredit verliehen werden und so erzeugt der Geldkreislauf ein ungefähres Schulden-zu-Guthaben-Verhältnisses von ca. 10:1. Das heisst, das Finanzsystem beruht auf rund 10 mal mehr Schulden als auf realem Guthaben. Ein Großteil dieser Schulden sind faule Kredite und Derivate, die völlig wertlos sind, da sie auf nicht existenten Spekulationsgütern beruhen.

Um die Probleme des Finanzsystems zu beheben, müssten alle faulen Kredite aus dem System getilgt werden. Dies geht zum einen nicht von heute auf Morgen und zum anderen würde ein solcher Schritt das komplette Finanzsystem auf den Kopf stellen. Zwar ist der Negativzins ein Mittel, um die Schuldenblase abzubauen, allerdings reichen nur knapp über dem Nullpunkt liegende Negativzinsen hierzu nicht aus, insbesondere wenn das abgezogene Geld erneut als Kredit vergeben wird. Das schwierige Paradoxon jedoch ist, dass neue Kredite zur weiteren Funktion des derzeitigen Finanzsystems unabdingbar sind. Dies lässt den Schluss zu, dass nur eine komplette Neuausrichtung der systematischen Vorgänge das Problem beheben könnte.

Dass die derzeitige Schuldensituation nicht länger so weitergehen kann, ohne einen Kollaps der gesellschaftlichen Ordnung hervorzurufen, ist offensichtlich. Durch Zinsbelastungen und Kreditrückzahlungen, sind viele staatliche und private Haushalte und Institutionen an ihrer Liquiditätsgrenze angelangt. Die horrenden Schuldenbeträge sorgen für weniger Investitionskapital seitens öffentlicher Stellen und Unternehmen und führen somit zu einer Senkung des allgemeinen Wirtschaftswachstums.

Statt die im Umlauf befindliche Geldmenge durch Kreditvergabe steigern zu wollen, sollte deshalb daran gearbeitet werden, die angehäuften Schulden zu reduzieren oder im besten Falle abzuschreiben. Ein Schritt hierzu wäre u.a. die Vergabe des EZB-Geldes - nicht an Banken zur Weiterverleihung, sondern direkt an Unternehmen, Projekte und Bürger. Hierfür könnte eine Ausschüttung, des durch die Banken an die EZB zu zahlenden Strafzins für Geldhortung vorgenommen werden - nicht etwa als zurückzuzahlender Kredit, sondern als dauerhafte Gutschrift. Durch diese Ausschüttung könnte die Kaufkraft, als auch die Investitionswilligkeit der Wirtschaft grundlegend verbessert werden, was wiederum zu der angestrebten Wirtschaftsbelebung führen kann. Ausserdem würde eine solche Ausschüttung die Rückzahlungsfähigkeit von Kreditnehmern bestehender Kredite erhöhen und so zu einer Reduzierung der Schuldenblase beisteuern. Desweiteren könnte sich dies auch positiv auf die Lohnentwicklung auswirken.

Ein solcher Schritt wiederum widerspräche dem gängigen Dogma der modernen Finanzwelt. Dieses stellt Schulden vor Guthaben und nur durch Neuverschuldung des Einzelnen, kann neues Geld für das Gesamtsystem geschaffen werden. Solange vom Kreditwesen nicht zum Gutschriftswesen umgestellt wird, geht die Umverteilung der finanziellen Resourcen, von unten nach oben, weiter. Die Folge ist eine weitergehende Verarmung der Bevölkerung und damit auch ein nicht nachhaltiges Wirtschafts- und Finanzsystem.

Während in Europa und den USA die Notenbanken ihren Schuldgeldkurs weiterfahren, arbeiten Staaten wie China, Russland und Brasilien zusammen an der Einführung einer neuen gold- und gütergedeckten Währung. So haben sowohl Russland, China, Iran, Indien und weitere entsprechend orientierte Staaten, die günstige Kaufgelegenheit genutzt, um sich mit Gold und anderen vermögenssichernden Gütern und Resourcen einzudecken.

Sollten diese Staaten es schaffen, eine gedeckte Währung einzuführen, so ist davon auszugehen, dass die Weltwirtschaft nicht mehr auf Euro oder Dollar setzen, sondern die substanziellere, neue Währung bevorzugen würde. Was dies für die westliche Wirtschaft und den Bankensektor bedeuten würde, kann sich wohl jeder vorstellen. Es verwundert daher nicht, dass in den USA und Europa entsprechende Kräfte dies lieber verhindern möchten.

Titelbild: Eurobanknoten, erste Serie, CC-BY-SA 3.0, Blackfish

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