Marihuana-Pflanze, Foto: U.S. Fish and Wildlife Agency, Lizenz: gemeinfrei

Das Marihuana Paradox – Darum ist Marihuana verboten

Share

Von Raphael B. Ebler -
für Cognito-Magazin.de -

Die Liste der wissenschaftlichen Gründe, warum man Marihuana legalisieren sollte und welche positiven Wirkungen der Wirkstoff THC als Medikament haben kann, ist lang. Genauso lang, wenn auch teilweise nicht ganz so wissenschaftlich, ist die Liste der Gründe gegen den Konsum von Marihuana. Dies soll aber hier nicht der Fokus sein.
Vielmehr liegt der Fokus dieses Artikels auf dem Punkt, dass bei der Einordnung von stimulierenden oder giftigen Substanzen mit unterschiedlichen Massstäben gemessen wird, die allesamt von Lobbyisten festgelegt werden (Richtwerte).

Marihuana-Pflanze, Foto: U.S. Fish and Wildlife Agency, Lizenz: gemeinfrei

Marihuana-Pflanze, Foto: U.S. Fish and Wildlife Agency, Lizenz: gemeinfrei

Immer wieder gibt es Bestrebungen von diversen Bürgergruppen, politischen Organisationen und den Medien sich mit der Entkriminalisierung von Marihuana auseinanderzusetzen. Die Britische Regierung kam beispielsweise zu dem Schluss, “Drogen wie Cannabis, Ecstasy oder LSD sind (…) weniger gefährlich als die legalen Suchtstoffe Alkohol und Tabak” (O-Ton des Chef-Drogenberaters der britischen Regierung)[1]. Es heißt weiter: “Wenn die Regierung glaube, junge Leute durch eine drohende Strafe von Drogen fernzuhalten, habe sie wahrscheinlich unrecht.” [2]

In der Tat muss man klar feststellen, dass, trotz der Kriminalisierung, eine schwer schätzbare Anzahl von Menschen Cannabis, Ecstasy oder sogar härtere Substanzen wie Kokain und Heroin konsumieren.
Je nach Droge und Studie schwanken die Schätzungen. Sie sind jedoch, allein für Deutschland, relativ einstimmig im oberen einstelligen Millionen Bereich.

Während für Heroin, Kokain und derlei harte Drogen die gravierenden Nebenwirkungen (Abhängigkeit, körperlicher Verfall, Tod) nachgewiesenermaßen bekannt sind, ist zum Beispiel bei Cannabis noch kein offizieller Todesfall weltweit bekannt, der von akuten, direkt durch den Konsum verursachten, körperlichen Fehlfunktionen herrührt. Alkoholkonsum kann hingegen ebenfalls zu akuten, lebensbedrohlichen Nebenwirkungen (Promilletod: Herz-, Hirn-, Lungenversagen) führen. [3]

Den Zustand, dass Marihuana, als nachgewiesenermaßen relativ harmlose Droge, illegal ist, während viele andere suchterregendere Stoffe wie Alkohol, betäubende Arzneimittel oder Koffein frei verkäuflich sind und sogar gefördert werden, bezeichne ich gerne als "das Marihuana-Paradox".

Hanf ist seit Jahrhunderten Teil unserer Zivilisation und die Pflanze wurde für die verschiedensten Zwecke genutzt.
Die Kriminalisierung begann ab dem späten 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts im Laufe und nach der Industriellen Revolution.

Die Vielseitigkeit von Hanf als Nutzpflanze war vielen Industrien ein Dorn im Auge, da die Menschen diesen Werkstoff in ihrem eigenen Garten anbauen konnten und deshalb nicht die Produkte der Industrie kauften.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass immer mehr Lobbyisten aus der Wirtschaft ein Verbot des Anbaus von Marihuanapflanzen forcierten. Allen voran die Textilindustrie, da Hanffasern als natürlicher Werkstoff in Konkurrenz zu künstlichen Synthetikstoffen standen, und zum anderen die Pharmaindustrie, für welche der Hanfwirkstoff THC als natürliche, selbstanbaubare Medizin den Absatzmarkt für künstlich hergestellte Medikamente ein Dorn im Auge war. Für die Untermauerung ihrer Thesen zogen die Lobbyisten hanfverteufelnde Studien heran und nutzten die wachsende Macht der Wirtschaft auf die Politik, um schließlich auch die weltweite Ächtung dieser nützlichen Pflanze zu erreichen.

Es muss einem also klar sein, dass Marihuana heutzutage nur aus dem Grunde verboten ist, da es ein Allzweckkraut ist, das viele Produkte der Wirtschaft ersetzen kann, v.a. viele synthetische Materialien wie Seile, Stoffe etc., aber auch viele Arzneimittel.

Insbesondere ist ebenfalls nochmals die Pharmaindustrie zu nennen, die einen Großteil der Anti-Hanf-Lobbyisten stellt, um statt der Allzweckmedizin Marihuana ihre tausenden verschiedenen Pillen und Chemieerzeugnisse an den Mann zu bringen. [4]

Marihuana alleine, genauer der Inhaltsstoff THC, kann z.B. neben vielen anderen Anwendungsmöglichkeiten erfolgreich zur Schmerzlinderung oder zur Bekämpfung von Krampfzuständen als auch zur Asthmaheilung beitragen und wird schon seit jeher als Heilkraut von Schamanen und Homöopathen angewandt. Auch in einigen Teilen der Vereinigten Staaten (Kalifornien) wird es von Ärzten für diesen Zweck verschrieben, was die Gesetzgebung dort auch erlaubt.

Abgekürzt muss man sagen, dass die derzeitige Drogen-Gesetzgebung bei uns und weltweit nicht auf wissenschaftlichen Tatsachen aufgebaut, sondern alleine das Produkt von Lobbyisten ist, denen sich die Politik gebeugt hat. Die Einordnung vieler Substanzen unterliegt oftmals der Willkür diverser Organisationen, geschürt durch intensive Lobbyarbeit der Wirtschaft.

Millionen Menschen, die ansonsten durchaus rechtschaffende und integere Teile der Gesellschaft darstellen, werden so ungerechtfertigter Weise kriminalisiert.

Wie ich Eingangs dieses Artikels schon schrieb, kommen immer wieder Gegenstimmen gegen das Verbot, auch aus höheren politischen Kreisen.
Natürlich muss man skeptisch bleiben, ob sich wegen dieser Stimmen in der Drogenpolitik etwas ändert, aber dennoch ist es interessant, dass gerade jetzt, in Zeiten der großen Krise, in mehreren Ländern und diversen Polit-Organen wieder über die Entkriminalisierung nachgedacht wird.

Ein Rückschlag für alle Befürworter der Legalisierung ist jedoch die erneute Ablehnung eines Antrags der Linken zur Entkriminalisierung von Marihuana durch den Bundestag im Januar 2013. Während die Linke und die Grünen den Antrag befürworteten, lehnten SPD, CDU und FDP den Antrag mehrheitlich ab. [5]

Dennoch: Eine komplette Legalisierung von Marihuana/Hanf ist mit Chancen und Risiken verbunden. Während durch die Legalisierung u.a. neue Steuerquellen erschlossen werden könnten, muss natürlich, wie bei anderen Substanzen auch, der Jugendschutz entsprechend gestärkt werden. Der Anbau einer beschränkten Anzahl von Marihuana-Pflanzen oder der Besitz kleiner Mengen sollte generell jedoch erlaubt werden. Der offizielle Verkauf könnte, sich am Beispiel Kaliforniens oder Holland orientierend, ebenfalls unter Auflagen erlaubt werden. Ein Einsatz von natürlichem THC bei diversen schweren Krankheiten sollte in jedem Fall in Betracht gezogen werden. Dieser Ansicht ist auch das Oberverwaltungsgericht Münster, dass in einem Präzedenzfall zu Gunsten eines krebskranken Mannes entschied. [6] Gleichzeitig ist jedoch die Aufklärung der Bevölkerung über die Risiken und Anwendungsgebiete des Marihuanakonsums notwendig. Dies jedoch nicht im bisherigen rein negativen Blickwinkel, sondern objektiv, unter Berufung auf unabhängige Untersuchungen.

Quellen für diesen Artikel waren u.a.:
[1] http://www.n-tv.de/wissen/Alkohol-gefaehrlicher-als-Cannabis-article569010.html
[2] http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5jDn4mCJ-O_Y9b4naVtlYwNFmZLEQ
[3] http://ausdemlebengerissen.de/drogen.html
[4] http://www.infosperber.ch/Gesundheit/Hinter-Hanfverbot-stehen-Wirtschaftsinteressen
[5] http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/legalisierung-von-cannabis-heute-im-bundestag-9016650.php
[6] http://www.dw.de/kranke-sollen-cannabis-anbauen-d%C3%BCrfen/a-16474341

_____________________________________________________________

HIER KÖNNTE IHR WERBEBANNER SEIN!
>> Informieren Sie sich über unsere Werbekonditionen!
_____________________________________________________________

Weitere Beiträge des Cognito Magazin:

Share