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Bundesliga-Dominanz von Bayern und Dortmund – Die wahre Meisterschaftsfrage stellt sich ab der 2. Liga

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Wer wird Deutscher Fußballmeister? Bayern oder Dortmund? Schade, nicht? Seit Jahren ist die Meisterschaftsentscheidung in der deutschen bel étage eigentlich schon vor der Saison unter diesen beiden Teams gefallen. Der FC Bayern München und Borussia Dortmund sind das Non-Plus-Ultra des deutschen Profifußballs. Ohne Zweifel spielen diese beiden Mannschaften auf einem solch konstant hohen Niveau, dass es für andere Vereine schwer ist, dagegen anzukommen. Nur alle paar Jahre kann der ein oder andere Verein in den Titelkampf dieser beiden Krösuse eingreifen.

Für die Bundesliga bedeutet dies, dass die Spannung eigentlich erst ab Platz drei beginnt sich aber viel mehr im Mittelfeld und vorallem im Abstiegskampf der 1. Liga abspielt. Auch wirtschaftlich macht sich dies bemerkbar. Ohne externe Sponsoren- und UEFA-Millionen, ist es schwer sich in der ansonsten wirtschaftlich relativ ausgeglichenen 1. Liga durchzusetzen. Für viele kleinere Traditionsvereine bedeutet dies ein Dasein zwischen Abstieg und Aufstieg.

International zählen die Bayern, als auch der BVB, zu den europäischen Spitzenvereinen, die alleine durch die stetige Teilnahme an den internationalen Turnieren dutzende Millionen in die Kasse gespült bekommen, die sie wiederum zur weiteren Verstärkung ihres Kaders investieren können. Für die anderen Deutschen Vereine ist es schwierig gegen diese Topverdiener anzukommen.

Während die Champions und Europa League Duelle und Siege beider Teams enorm wichtig sind für die Platzierung der Bundesliga in der Uefa-Fünfjahreswertung, sorgt deren Dominanz hingegen für einen Spannungsabfall im nationalen Meisterschaftsrennen - nur alle paar Jahre kann einer der anderen Verfolger sich überraschender Weise durchsetzen (Wolfsburg, Stuttgart, Bremen...).

So gewinnt die 2. Bundesliga, auch bedingt durch die Vielzahl namhafter ehemaliger Erstligisten, für viele Fußballfans mehr und mehr an Bedeutung.

Die Zweite Liga bietet mittlerweile das, was die erste Liga nicht mehr dauerhaft bieten kann... Spannung in allen Tabellenbereichen, im Aufstiegskampf und Abstiegskampf, Duelle auf Augenhöhe und leidenschaftlichen Fußball - zwar nicht immer auf höchstem Niveau, doch in jedem Fall mit Herz, Einsatz und Ehrgeiz.

Zu Saisonbeginn weiß man nur selten, wer im Kampf um den Titel mitmischen kann. Zwar gibt es auch in der 2. Liga ein Leistungsgefälle, aber gleichzeitig sind alle Vereine von ihrem spielerischen Potenzial deutlich enger beisammen. So findet sich ein vor der Saison als potenzieller Aufsteiger gehandelte Verein auch mal im Abstiegskampf und das ein oder andere unterschätzte Team greift in das Aufstiegsrennen ein. Zumindest für einen Großteil der Saison bleibt es in allen Tabellenbereichen spannend - im gegensatz zur ersten Liga, in der meist schon nach wenigen Spieltagen die üblichen Verdächtigen vornweg marschieren.

Der derzeitige Dreikampf zwischen dem SC Freiburg, dem 1. FC Nürnberg und RB Leipzig um den Zweitliga-Titel ist hingegen das, wonach sich viele Erstliga-Zuschauer sehnen - mehrere Vereine spielen auf höchstem Niveau in Abschussweite um den Titel, mit völlig offenem Ausgang. Noch vor wenigen Spieltagen hatten mit dem VfL Bochum, und dem FC St. Pauli zusammen fünf fanstarke Mannschaften die Chance im Aufstiegsrennen mitzuspielen. Erst ab dem 25. Spieltag ging die Tendenz in Richtung der drei erstgenannten Teams.

Für viele Fans der Traditionsklubs geht es auch um die Frage der Philosophie. Mit dem RB Leipzig ist auch in der zweiten Mannschaft ein finanziell unvergleichbarer Ligakrösus vorhanden. Doch man weiß ja, dass Geld alleine nicht Titel holt - und Freunde erst recht nicht - und so ernten der Sport-Club Freiburg und der 1. FC Nürnberg, unabhängig von Fan-Rivalitäten, momentan die größten Sympathien bei den deutschen Fußball-Fans.

Viele wünschen sich, dass diese beiden Vereine, auch auf Grund ihrer gezeigten Topleistungen in dieser Saison und ihrer Tradition, den direkten Aufstieg erreichen.

Immer wieder stellt sich diese Frage der Vereinsphilosophie. Hierbei wird zwischen langjähriger Tradition, die nicht immer mit finanziellem Übermaß gesegnet ist (Bremen, Frankfurt, Darmstadt in der ersten Liga / Freiburg, Nürnberg, St.Pauli in der 2. Liga) und zusammengekauften Star-Ensembles, die zwangsläufig Erfolg haben (Bayern, Wolfsburg, Dortmund (1. Liga) und Leipzig (2. Liga)).

Nichtsdestrotrotz bleibt Fußball der wohl heiss diskutierteste und emotionalste Sport für eine große Zahl von Menschen. Und auf gewisse Art profitieren die unteren Ligen auch von der unangefochtenen Dominanz weniger Vereine in der höchsten Spielklasse. Denn, die Menschen suchen vorallem eines: die Spannung des Spiels. Wenn diese in der ersten Liga nicht mehr gegeben ist, dann gibt man sich auch mit der größeren Spannung in der Zweiten oder Dritten Liga zufrieden, insbesondere wenn die Ergebnisse nicht ganz so berechenbar sind, wie in der ersten Liga. Beleg hierfür sind auch die steigenden Zuschauerzahlen der unteren Spielklassen - was nicht verwudnerlich ist, da sich immer mehr fanstarke Traditionsmannschaften in der 2. oder 3. Liga tummeln. Auch dies erhöht das Anziehungspotenzial.

Und dennoch wird vorraussichtlich auch zu Beginn der nächsten Saison wieder gehofft, dass es keinen Durchmarsch der Dauermeister in der 1. Bundesliga gibt und der Ausgang wieder offener ist. Und wenn der Durchmarsch doch wie gewohnt stattfindet? Dann fällt die emotionale Meisterschaftsentscheidung halt ab Platz 3 oder in der zweiten Liga, Dritten Liga, der Regionalliga oder in der Kreisklasse...

Text und Bild: Raphael Ebler

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