Goldklumpen, Quelle: gemeinfrei

Bundesbank holt deutsche Goldreserven nach Hause (+ Update 17.1.)

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Von Raphael B. Ebler -
für Cognito Magazin -

Update vom 17.1.:

Was zuerst so klang, als wäre es eine überraschende, umfängliche Aktion, hat sich nun als langsames Projekt herausgestellt.
Die Bundesbank kündigte am 15.1. an, die komplette deutsche Goldreserve in Frankreich aufzulösen und Teile der in den USA gelagerten Goldreserven zurückzuholen. Am Mittwoch wurde dann der Zeitplan bekannt gegeben und es stellte sich heraus, dass dies keineswegs eine zügige, umfängliche Aktion wird. Man möchte nur 50 Tonnen pro Jahr aus den genannten französischen Beständen zurück nach Deutschland transportieren und bis 2020 lediglich 300 Tonnen des in Amerika gelagerten Goldes, welches 47% der deutschen Reserven ausmacht. Aus England soll gar nichts zurückgeholt werden.

Es stellen sich nun mehrere Fragen:
- Wieso nur 50 Tonnen pro Jahr aus Frankreich?
- Wieso nur 300 Tonnen insgesamt der 47% des deutschen Goldes in den USA und wieso über einen so langen Zeitraum?
- Ist das deutsche Gold vielleicht nicht da wo es sein sollte und man muss den genannten Ländern die Chance geben es erst allmählich wieder zu beschaffen?
- Dienen die kleinen Rückholaktionen vielleicht dazu zu verschleiern, dass nicht das gesamte deutsche Gold mehr in den genannten Lagerungsorten vorhanden ist?
- Will man vermeiden, dass es sich all zu schnell herausstellt, dass die angegebenen deutschen Goldreserven lediglich noch auf dem Papier existieren?

Diese Fragen sind sehr interessant und müssen geklärt werden. Es ist aufgrund fehlender Bestandskontrollen in der Vergangenheit und den undurchsichtigen Machenschaften auf dem Finanzmarkt durchaus möglich, dass auch das deutsche Gold mittlerweile weitergereicht wurde und real nur noch auf dem Papier existiert. Gerade die USA haben in den vergangenen Jahren zig Tonnen an China weitergereicht, u.a. um die eigenen Schulden abzudecken, wo es neu eingeschmolzen wurde. Waren darunter vielleicht auch Teile des deutschen Goldes.

Würde der Abruf des Gesamtbestandes, der logistisch ohne Probleme auch innerhalb eines kurzen Zeitraumes zurück nach Deutschland transportiert werden könnte, also dazu führen, dass sich herausstellt, dass die Menge des physischen Goldes gar nicht der offiziellen Menge in den Büchern entspricht?

Diese Punkte sind im Auge zu behalten. Auch wenn man nicht das gesamte deutsche Gold zurückholt, so sollte durch eine Bestandsprüfung sichergestellt werden, dass dieses auch in den entsprechenden Lagerungsorten vorhanden ist. Die Bundesregierung sollte also eine offizielle Anfrage zur Gewährung einer Bestandsaufnahme an die entsprechenden Institutionen richten. Wenn diese zustimmen sollten und festgestellt werden kann, dass die Bestände tatsächlich noch vorhanden sind, wären viele Zweifel und Unsicherheiten ausgeräumt. Wird einer Bestandsaufnahme nicht zugestimmt und es wird lediglich versichert, dass die deutschen Bestände noch vorhanden seien, so muss man damit rechnen, dass dies nicht der Fall ist, und das deutsche Gold veruntreut worden ist. [*]

Dann wären entsprechende Schritte, wie Schadensersatz, in die Wege zu leiten.

Quelle für das Update u.a.:
[*] http://www.tfmetalsreport.com/blog/4442/german-gold-hijinx?

Der Original-Artikel vom 15.1.2013:

Die im Ausland gelagerten Goldreserven der deutschen Bundesbank sollen nach und nach heim geholt werden. Dies war heute Presseberichten zu entnehmen.

Goldklumpen, Quelle: gemeinfreiDie Bundesbank reagierte damit auf die in den letzten Monaten vermehrt aufkommende Forderung die deutschen Goldbestände, welche bislang zum Großteil im Ausland gelagert worden sind, und sich somit einem direkten Zugriff der Bundesbank entzogen, nach Jahrzehnten der Auslagerung ins eigene Land heim zu holen. [1]

Die deutschen Goldbestände werden derzeit auf 150 Milliarden Euro, bzw. 3396 Tonnen, beziffert. Davon war bislang nur knapp ein Drittel (1036 Tonnen) im Inland gelagert. Der Großteil der deutschen Goldreserven war vorallem während des Kalten Krieges, aus Angst vor einer sowjetischen Invasion, zu Standorten im Ausland gebracht worden. Fast die Hälfte der deutschen Goldreserven ist bei der Federal Reserve Bank in New York gelagert, ausserdem unterhält die Bundesbank bislang noch Goldbestände bei der Bank of England (13%/450 Tonnen) und der Banque de Paris (11%/374 Tonnen). Zunächst sollen nun die bei der Banque de Paris gelagerten Bestände nach Deutschland umgelagert werden, hiess es. [1][2]

Ein Transfer weiterer Bestände aus London und New York ist ebenfalls angedacht. Genaueres will der Bundesrechnungshof am Mittwoch in der Bekanntgabe seiner neuen Lagerungsstrategie für die deutschen Goldreserven verlauten lassen. Wieviel der im Ausland gelagerten Goldbestände innerhalb der nächsten Zeit genau nach Deutschland zurücktransferiert werden sollen, wurde nicht genauer spezifiziert.

Laut Finanzen.de habe Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele bekräftigt, auch zukünftig Goldbestände an wichtigen Handelsplätzen, wie New York und London, beizubehalten, um diese, wenn notwendig, unverzüglich als Währungsreserve auf den Markt bringen zu können.

Da die kritische Situation des Dollars und des Euro sich derzeit immer weiter verschärft, ist die Heimholung der Goldbestände eine logische Konsequenz, denn im Falle eines Währungskollapses und eines damit zusammenhängenden Zusammenbruchs des Finanz- und Wirtschaftssystems, wäre der Zugriff auf die im Ausland gelagerten Goldbestände wohl nur schwer durchsetzbar und könnte die Zahlungsfähigkeit Deutschlands gefährden.

Der Bundesrechnungshof rügte im vergangenen Jahr die ungenaue Buchführung der Bundesbank im Bezug auf Menge und Lagerungsorte der deutschen Goldbestände [3]

Der Ökonom Gustav Horn forderte im vergangenen Oktober in einem Interview mit dem Focus den teilweisen Verkauf der deutschen Goldreserven, da diese nicht mehr benötigt würden um die eigenen Währung abzudecken und Währungsschwankungen auszugleichen. Laut Horn habe die Bundesbank seit der Einführung des Euros keine Währungshoheit mehr und der Euro ansich beruhe sowieso nicht auf dem Goldstandard. [4]

In diversen Foren wird diskutiert, ob die Bundesbank sich mit der Umlagerung bewusst auf einen möglichen Zusammenbruch des Euros oder Dollars vorbereite. Dies wurde von offizieller Seite bislang nicht bestätigt. Diverse Versicherungen und Banken liessen bereits im letzten Jahr verlauten, dass Sie Planungen für einen möglichen Kollaps der Euro-Währung in der Schublade hätten. [5]

Quellen für diesen Artikel waren u.a.:

[1] http://www.finanzen.net/nachricht/rohstoffe/Gold-zurueck-nach-Frankfurt-Bundesbank-loest-Goldreserve-in-Frankreich-auf-2224155
[2] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-goldreserven-wo-ist-das-gold-der-deutschen-1.1360882
[3] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-goldreserven-wo-ist-das-gold-der-deutschen-1.1360882-2
[4] http://www.focus.de/finanzen/geldanlage/top-oekonom-gustav-horn-bundesbank-soll-gold-reserven-verkaufen_aid_847748.html
[5] http://www.extremnews.com/nachrichten/wirtschaft/a7a813ced4f1276

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