Proteste statt Fussball in Brasilien, Foto: Anton (rp) Winter 2004, Lizenz: GNU Free Documentation License

Ausschreitungen und Proteste gegen Korruption und Preiserhöhungen während Confederations-Cup in Brasilien

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Von Raphael B. Ebler -
für Cognito-Magazin.de -

Alle vier Jahre, immer ein Jahr vor der WM, treten im Gastgeberland der kommenden Fussball-Weltmeisterschaft die fünf Sieger der Fussball-Kontinentalverbände Europas (UEFA), Asiens (AFC), Afrikas (CAF), Südamerikas (CONMEBOL), Nord- und Zentralamerikas (CONCACAF) und Ozeaniens (OFC), sowie das Gastgeberland - diesmal Brasilien - gegeneinander zum sogenannten Confederations-Cup an. Während der Fussball hierbei im Mittelpunkt stehen soll, zeigt sich dieses Jahr ein anderes Bild.

Proteste statt Fussball in Brasilien, Foto: Anton (rp) Winter 2004, Lizenz: GNU Free Documentation License

Wie diverse Medien berichten, kam es wegen einer minimalen Erhöhung der Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr am Rande des Eröffnungsspiels zu Ausschreitungen und Protesten, die sich spontan auch gegen die in Brasilien weit verbreitete Korruption ausweiteten. Mehrere 100000 Menschen beteiligen sich mittlerweile an den größten Protesten in den letzten 20 Jahren in Brasilien. [1]

Ein weiterer Grund für die Proteste sind die drastischen Getränke und Essenspreise, die von den Zuschauern während des Confed-Cups zu zahlen sind, ein kleines Wasser kostet etwa 2,20 , eine Wurst mit Bier kostet bei den Veranstaltungen umgerechnet etwa 7 €. [2] Was in den beispielsweise in den deutschen Stadien als Normalpreise anzusehen wäre, ist für viele Brasilianer, welche im Durchschnitt etwa 1000 € pro Monat verdienen, hingegen sehr teuer. [3]

Die Bürger sind zudem wütend über die enormen Kosten für die Durchführung des Confederations-Cups, die zu einem großen Teil vom Staat Brasilien übernommen werden, während diverse Sozialsysteme wie Rentenversicherung sowie Gesundheits- und Bildungssystem kurz vor dem Kollaps stehen. Auch die weitverbreitete Korruption auf höchsten Ebenen ist für viele Brasilianer ein Grund auf die Straße zu gehen.

Die Polizei setzte auf Anweisung der brasilianischen Präsidentin, Dilma Rousseff, Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein und konnte die Ausschreitungen nach etwa drei Stunden beenden. Während Polizei von friedlichen Demonstrationen sprach verkündeten lokale Medien das Gegenteil. Der Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas lässt auch eher auf Letzteres schließen. Auch das Deutschlandradio berichtete über Straßenschlachten in Sao Paolo und Rio de Janeiro. [4]
Dies ist nicht unbedingt das Image für Polizei und Regierung, das gebarucht wird, um ein Jahr vor der WM die Sicherheit der Veranstaltung im nächsten Jahr zu gewährleisten.

Trotz des radikalen Polizeieinsatzes erhielten die Demonstranten auch Rückendeckung, u.a. vom brasilianischen Sportminister Aldo Rebelo, der die Gentrifizierung und die ungleiche Vermögensverteilung in Brasilien anprangerte. Auch FIFA-Sprecher Pekka Odriozola drückte sein Verständnis für die Proteste und die Ausübung der Meinungsfreiheit durch die Bürger aus. Die FIFA sieht, trotz der jetzigen angespannten Lage die WM im nächsten Jahr nicht gefährdet. [2]

Ursache für die Korruption ist laut dem Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler Antônio Inácio Andrioli von der Univerität Osnabrück, dass es in brasilien "keinen konsolidierten Rechtsstaat [...], ganz zu schweigen von einem Sozialstaat" gebe. Auch diene der, "durch die ungleiche Entwicklung des Landes entstandene neopatrimoniale Staat [...] in erster Linie den privaten Interessen von Großgrundbesitzern, Unternehmern und anderen Vertretern des Kapitals." [5]

Während die Reichen beim Confed-Cup und auch nächstes Jahr beid er WM in den Vip-Logen sitzen werden, bleibt für das normale Volk die Unterhaltung und Freude am Fußball aufgrund von Preisinflation, wirtschaftlicher und sozialer Probleme wohl weitestgehend auf der Strecke.

Wie schon bei vorangegangenen WMs werden hauptsächlich die Hauptsponsoren wie McDonalds und Coca Cola, durch monopolisierte Verpflegungsrechte während der Veranstaltung, daran verdienen und einen Großteil des Umsatzes einstreichen. Die Großsponsoren und der Verkauf der Übertragungsrechte sorgen vorraussichtlich auch bei der FIFA, die vor und während der WM 2010 in Südafrika Rekordumsätze und und einen Gewinn von rund 1,28 Milliarden Dollar erwirtschaftete [6], wieder für einen Geldsegen. Obwohl die Veranstaltung zu großen Anteilen durch Steuergelder finanziert wird, welche an anderer Stelle viel dringender gebraucht werden, wird für lokale Unternehmen von den profitablen Verdienstmöglichkeiten wohl nur einen Bruchteil übrigbleiben.

Quellen:
[1] http://www.tagesschau.de/ausland/brasilien-proteste108.html
[2] http://www.20min.ch/ausland/news/story/10968588
[3] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/19406/umfrage/bruttoinlandsprodukt-pro-kopf-in-brasilien/
[4] http://www.dradio.de/nachrichten/201306180600/8
[5] http://www.ila-bonn.de/artikel/ila299/brasilienkorruption.htm
[6] http://www.focus.de/sport/fussball/fifa-wm-in-suedafrika-beschert-fifa-rekordumsatz_aid_605358.html

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